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Manado 2007 Als wir Manado Ende 2006 wieder besuchen, erkennen wir die Hauptstadt Nordsulawesis kaum wieder. 
 
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Neuigkeiten aus Manado 2007

Als wir Manado Ende 2006 wieder besuchen, erkennen wir die Hauptstadt Nordsulawesis kaum wieder. Seit unserem letzten Besuch im Frühjahr des selben Jahres hat sich das Gesicht der Stadt stark gewandelt. Überall findet man Plakate mit dem Slogan "Manado Kota Pariwisata Dunia 2010", was sinngemäß bedeutet, dass die Stadt bis zum Jahr 2010 eine Tourismusstadt von Weltrang werden möchte. Und dieses Ziel wird offensichtlich mit Nachdruck verfolgt.
Viele Dinge haben sich dadurch verbessert. So ist die ganze Stadt deutlich sauberer geworden und der chaotische Verkehr fließt nun durch ein komplett neues Einbahnsystem in halbwegs geregelten Bahnen.

Andererseits verliert Manado aber auch zunehmend den Charme, den wir bei unseren früheren Besuchen sehr zu schätzen gelernt haben. Die Stadtverwaltung bemüht sich, die kleinen Händler in ihren mit blauen Plastikplanen gedeckten Verkaufsständen aus den Straßen zu vertreiben. Im ganzen Hafenbereich herrschte früher ein geschäftiges Treiben, jetzt sieht man dort nur mehr leere Flächen. Einige der Verkaufsstände sind in einem großen überdachten Areal neben dem Hafengelände untergekommen, andere sind ganz einfach verschwunden.

Manado 2006
... 2006 ...

Manado 2007
... 2007 ...

Am Abend versucht so mancher fliegende Händler noch, seinen provisorischen Verkaufsstand an einer Straßenecke aufzubauen. Wenn die Polizei ihre Runden dreht, sind die kleinen Verschläge jedoch im Nu abgebaut und mitsamt ihren Besitzern im nächtlichen Gewühl verschwunden.

Im Gegensatz dazu werden immer mehr und immer größere Einkaufszentren aus dem Boden gestampft. Von internationaler Küche, über Fast-Food-Restaurants und Modeboutiquen bis hin zu modernsten Internet-Cafes findet man dort wirklich fast alles, was man auch in einem mitteleuropäischen Einkaufszentrum erwartet. Manches ist doch deutlich billiger als hierzulande, vieles aber sogar für unsere Begriffe relativ teuer.

Was uns dabei am meisten überrascht hat: Es sind nicht die Touristen, die dort einkaufen gehen, sondern eine offenbar sehr wohlhabende indonesische Mittelschicht. Eine Pizza um umgerechnet vier Euro pro Person - kein Problem für so manche vierköpfige Familie. Auch importierte (!) Äpfel um umgerechnet zwei Euro pro Kilo finden hier ihre Käufer. Und das in einer Region, wo ein guter Handwerker am Land pro Tag ungefähr fünf Euro verdient, womit er meist eine mehrköpfige Familie ernähren muss.

Die Kluft zwischen Arm und Reich klafft offensichtlich auch hier immer weiter auseinander. Viele Familien verdienen am Tourismus, an weitläufigen Ländereien oder im Handel gutes Geld, während beispielsweise im Nordosten viele Menschen ohne Zukunftsperspektive ihr minimales Einkommen in Alkohol investieren, um ihren Frust zu ertränken.
Nach großflächigen Landenteignungen noch zu Soehartos Zeiten besitzen viele nicht mehr als die paar Quadratmeter Land, auf denen gerade ihre - vielfach unfertigen - Häuser Platz finden. Zu wenig, um sich zumindest mit ein bisschen Obst- und Gemüseanbau im Garten selbst zu versorgen.

Während es sich in der Hauptstadt so manche Familie leisten kann, ihre Kinder auf teure Schulen ins Ausland zu schicken, lernen die Schüler in abgelegenen ländlichen Gebieten in baufälligen Schulgebäuden mit dürftigen Unterlagen und Lehrmitteln.

So sehr sich Manado auch bemüht, innerhalb der nächsten drei Jahre eine Tourismusstadt zu werden, die den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht, so wenig scheinen die Touristen diese Anstrengungen zu schätzen. Wenn man als Tourist durch die Straßen streift, sich in Geschäften und Restaurants herumtreibt, ist man meistens das einzige "weiße Gesicht" weit und breit. Die meisten "bule" sehen kaum etwas von der Stadt, sondern werden sofort nach der Ankunft auf dem Flughafen in die verschiedenen Ressorts an den Küsten oder auf vorgelagerten Inseln verfrachtet.

Ob sich dies bis 2010 ändern wird, wenn sich Manado einen Platz unter den Tourismusstädten von Weltrang erkämpft hat?
 

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